Eine neue Liebe – Herzstolpern mit Erfahrung

Vor einem Jahr am 02. Februar habe ich geheiratet – zum 2. Mal.

Die Entscheidung nochmal zu heiraten und nicht einfach so mit Michael zusammenzuleben habe ich mir nicht leicht gemacht. Es gibt ja keinen zwingenden Grund für eine weitere Hochzeit. Schon gar nicht, wenn man weiß, dass es auch nicht klappen könnte mit der Liebe bis zum Schluss. Was auch immer das heißt.

Bei unserer Hochzeit kannten wir uns seit 7 Jahren, hatten also genug Zeit uns gründlich kennenzulernen und bereits ein paar kleine Krisen überwunden.

Was hat es eigentlich damit auf sich, dass sich manche Menschen dazu entscheiden mehrmals im Leben zu heiraten?

Ist es einfach Naivität oder tatsächlich der Wunsch nach einer stabilen, dauerhaften Bindung? Dabei weiß man ja aus eigener Erfahrung, dass ein Trauschein noch lang kein ewiges Liebesglück garantiert.

2. Ehe, wieder heiraten

Davon abgesehen, dass ich meinen Mann liebe, fällt es mir gar nicht so leicht diese Frage zu beantworten. Wenn ich so darüber nachdenke beschleicht mich das Gefühl, dass der Wunsch nach einer guten Ehe womöglich aus meiner Kindheit herrührt und meine Eltern einen nicht unerheblichen Anteil daran haben.

Sie sind jetzt Mitte 70 und laufen immer noch Händchen haltend durch die Gegend und das nicht, weil sie sich beim Laufen auf einander stützen müssten, sondern weil sie sich immer noch sehr zugetan sind.

Die 2. Ehe, nochmal heiraten

Ich fand es schon als Jugendliche toll, meine Eltern küssend in der Küche zu ertappen. Für mich als Kind bedeutete das eine unglaubliche Stabilität und Sicherheit, die mir erst viel später bewusst geworden ist.

Daß es auch in ihrer Beziehung Krisen gab ist selbstverständlich und auch heute können sie sich gegenseitig ordentlich auf die Nerven gehen. Trotzdem, auf mich wirken sie ziemlich zufrieden miteinander. Und das ist nach über 50 Jahren Beziehung schon eine Menge.

Mit ein Grund könnte sein, dass sie niemals im Streit zu Bett gehen. So können sie jeden Tag aufs Neue wieder starten ohne sich mit dem Groll vom Vortag zu belasten.

Ich schätze, ich will das auch – oder zumindest etwas annähernd Ähnliches. In meiner ersten Ehe hat mich das Beispiel meiner Eltern unter Druck gesetzt, irgendwie hatte ich oft das Gefühl, dass meine Beziehung nicht an die meiner Eltern heranreicht.

Von diesen Vergleichen habe ich mich zum Glück komplett befreit und sehe jetzt auch die Mechanismen, die dazu geführt haben, dass die Beziehung meiner Eltern schon so lange gut funktioniert.

Heiraten über 40, die 2. Hochzeit

Wir heiraten aus ganz unterschiedlichen Gründen

Egal aus welchen Gründen man den Schritt wagt, auf jeden Fall geht man mit einem riesigen Sack voller Erfahrungen in die neue Beziehung und Ehe. Gute und schlechte.

Immer schwingt die Hoffnung mit, den idealen Lebenspartner getroffen zu haben.
Ohne Beziehungsarbeit funktioniert es trotz aller Zuversicht aber nicht. Manche von uns schleppen ihre Hoffnungen und Erwartungen von Beziehung zu Beziehung und stülpen sie jedem potentiellen Partner über wie eine Verkleidung.

Wenn es dann wieder nicht funktioniert sind sie enttäuscht, wenn dieser „endlich richtige“ Mensch sich als doch nicht so passend heraus stellt und nicht „ganz anders ist“ als die Partner zuvor.

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Ein Vorsatz: Alte Beziehungsmuster ablegen

Ich finde es wichtig, nicht wieder in die selben Beziehungsmuster zu fallen wie in früheren Beziehungen. Das sollten wir uns schuldig sein um unserem Glück nicht im Weg zu stehen.

Aber um Muster zu durchbrechen müssen sie uns erstmal bewusst sein. Und wenn sie uns bewusst sind, ist es damit noch lange nicht getan.

Es kann anstrengend sein, die eigenen Gefühle und vor allem Verhaltensweisen zu hinterfragen. Außerdem erfordern echte Veränderungen jede Menge Arbeit.

Der kritische Umgang mit sich selbst hat ja so seine Tücken. Man stößt dabei auf Eigenschaften, die man an sich lieber gar nicht sehen möchte.
Jeder hat schließlich gern ein positives Selbstbild.

Und die Schuld nur beim Partner zu suchen ist unfair auch nicht hilfreich und letztlich belügt man sich nur selbst und akzeptiert für sich eine Opferrolle. Ganz schlecht für das Selbstwertgefühl und jegliche Art von zwischenmenschlicher Beziehung sowieso.

Erinnern mich Verhaltensweisen und Situationen bei Michael an eine frühere Beziehung wird es zur besonderen Herausforderung. Dann fühle ich ganz tiefsitzende Verzweiflung und Trauer, die die Enttäuschungen der längst vergangenen Partnerschaft in sich tragen.

Trauer vor allem, weil ich befürchte, dass mit jedem Streit ein kleines bisschen Vertrauen stirbt.

Der Schatten der Vergangenheit ist manchmal lang.

2. Ehe, nochmal heiraten

Verliebtsein – wie mit Anfang 20

Am Anfang einer neuen Beziehung mit all der Verliebtheit, der Neugierde und der Hormonüberflutung fällt es eindeutig leichter sich Mühe zu geben. Man ist plötzlich die beste Version von sich selbst – und man liebt sich dafür!
Es ist herrlich und wunderbar, dass man sich in jedem Lebensalter aufs Neue verlieben und sich diesem wundervollen Gefühl voll hingeben kann.

Das ist nicht anders als mit Anfang 20. Nur, dass wir mit über 40 nicht mehr ganz so unbedarft zuversichtlich in eine neue Beziehung stolpern, sondern mit deutlich kritischerem Blick. Wenn wir uns aber darauf einlassen, ist die Verliebtheit genauso berauschend und man wünscht sich, dass es nie aufhört und sich immer so anfühlen möge.

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Die 2. Ehe kann ein völlig neues Leben bedeuten

Jede Beziehung steht für sich und ist eine bewusste Entscheidung für einander. Ich sehe es als große Chance, jetzt wo die Kinder mehr oder weniger aus dem Haus sind, meinem Leben genau die Richtung zu geben, die mir jetzt vorschwebt.

Träume, Ziele und Wünsche nicht mehr vom Wohl der gesamten Familie abhängig zu machen, sondern mit meinem Partner das Leben zu gestalten wie es uns gefällt.

Und vielleicht weniger Erwartungen an den eigenen Partner zu haben, gelassener zu sein. Mir und ihm gegenüber. Es stimmt ja schon, sind wir mit uns selbst zufrieden, ist der Blick auf unsere Mitmenschen deutlich milder und wohlgesonnener.

Es ist ja schon großartig, wenn man mehrfach im Leben einen Menschen trifft, mit dem man zusammen bleiben möchte.

Bei vielen wiederverheirateten Paaren taucht das Thema Patchwork auf. Je nach Alter der involvierten Kinder und der Beziehung zu den jeweiligen Expartnern ist das mal mehr, mal weniger schwierig. Immer jedoch eine große Herausforderung. 

Wir haben insgesamt 4 Kinder. Ich drei Jungs, Michael eine Tochter. Durch das Alter der Kinder und die örtlichen Umstände ist das Patchworkverhältnis ok aber weit entfernt von einem dauergrinsenden, „wirhabenunsallelieb“ Familienleben. Da es aber keine größeren Querelen gibt, bin ich zufrieden. Wie gesagt, die Kinder sind groß, insofern ist die Zeit absehbar, in der sie sich mehr für ihr eigenes Familienleben mit ihren Partner*innen interessieren als für unseres.

Langjährige und glückliche Partnerschaften

Es ist schön, wenn langjährige Paare mit Kindern es schaffen auch für die Zeit, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, ein Paar zu bleiben. Wenn sie es schaffen, ihrem gemeinsamen Leben wieder eine neue Richtung zu geben und gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Die 2. Ehe, heiraten über 40

Und damit meine ich nicht Paare, die aus einem finanziellen Abhängigkeitsverhältnis oder konservativen Werten zusammen bleiben.
Ich meine die, die trotz der klassischen Beziehungsstolperfallen zusammenbleiben, weil sie ihren Partner wertschätzen, respektieren und sich einfach miteinander zu Hause fühlen. Und das geht natürlich auch ganz ohne Trauschein!

Warum mein erster Mann und ich uns scheiden ließen, darüber habe ich viel nachgedacht, Verhaltensmuster hinterfragt, ganz kritisch. Vor allem mich selbst.

Ich schätze, wir haben irgendwann aufgehört für einander da zu sein. Haben im Alltag übersehen, dass es neben den Kindern, der Arbeit, dem Haushalt und den Haustieren auch noch ein wir, ein uns als Paar gibt.
Das ist sehr schade und hätte womöglich auch anders laufen können. Andererseits waren es auch großartige Jahre und wir haben unsere tollen Jungs. Vielleicht war unsere Zeit auch einfach vorbei.

2. Ehe nochmal heiraten

Ein gemeinsames Kind ist kein Grund

Michael war noch nicht verheiratet. Wir haben uns auch bewusst gegen ein gemeinsames Kind entschieden. Schließlich haben wir wie ich finde genug Kinder und ich weiß, dass Kinder eine Partnerschaft nicht einfacher machen.

Von unserem Alter abgesehen, finde ich, eine Patchworkfamilie ist schon anspruchsvoll genug ohne dass ein Baby dazu kommt.

Eine bewusste Lebensentscheidung

Unsere Ehe ist eine Entscheidung nur für uns. Sie hat keine weitreichenden Folgen für unsere Mitmenschen.
Es ist eine andere Lebensentscheidung als damals bei meiner erster Ehe, als ich 24 und unser erster Sohn bereits geboren war.

Es ist ein Bekenntnis für uns als Paar. Und ich genieße unser gemeinsames Leben!

Alle Fotos von diesem Beitrag stammen von der wunderbaren Hochzeitsfotografin Julia Pommerenke

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