Im Sommer geht’s los mit dem Umbau des 50er Jahre Hauses meiner Großeltern in Österreich. Fast 20 Jahre wurde es von unterschiedlichen Mietern bewohnt und jeder von ihnen hat sich in Form von häßlichen Fliesen, Löchern in den Fensterrahmen oder der farblichen Verunstaltung der alten Holztreppe verewigt. Für uns heißt es jetzt zu entscheiden, wie wir das Haus so renovieren, so dass wir uns darin wohlfühlen ohne alles neu bauen und ersetzen zu müssen.

Die Planung – zumindest als Idee

So ein Hausumbau ist ja eine ganz schön spannende Sache und so bin ich gedanklich voll eingespannt mit dem bevorstehenden Umbau bzw. der Renovierung des Hauses meiner verstorbenen Großeltern. Die Mieter sind ausgezogen und wir wollten ursprünglich letzte Ostern nach Kärnten fahren, das leere Haus begutachten, vermessen, Substanz prüfen etc. Alles was man eben vor so einem Projekt üblicherweise macht.

Virtuelle Haustour – Whats’app sei Dank

Geklappt hat es leider nicht mit der Reise nach Österreich. Dank Corona fand unsere Hausbegehung virtuell statt. Zum Glück sind meine Eltern technisch so versiert, dass wir eine ziemlich lustige virtuelle Rundtour durchs Haus machen konnten.

Per whats’app Kameraanruf. Und das ging dann so: meine Mutter als Handyhalterin, die von Papa und mir oft zeitgleich Anweisungen erhielt, in welche Richtung sie die Kamera, also das Handy drehen sollte. Dank teilweise schlechter Verbindung und ständigem: Hallo, hört ihr mich? Kamen so sehr witzige Gespräche zustande.

„Mama, bitte die Kamera auf Papa richten. Papa kannst du die Wand vor dir nochmal ausmessen?” Er hält den Meterstab an die Wand, lässt sich dabei von Mama filmen und will wissen, ob ich die Maße aufgeschrieben habe… “Nein, ich kann den Meterstab von hier aus nicht ablesen, was hast du gesagt? Mama, hör bitte kurz auf zu reden, ich kann Papa nicht verstehen….”

Neben mir am Esstisch, Micha, der fleißig Maße in den Grundriss zeichnet. 🙂

Die Whats’app und Zoom Gespräche klingen manchmal wie die Dialoge von Loriot – echte real Satire!

Der talentierte Michael ist ja unter Anderem 3D Artist. Sprich, unser Erdgeschoss ist schon komplett in 3D gebaut und man kann darin rumlaufen und Wandfarben und Einrichtung ausprobieren. Genial, da kommt Vorfreude auf und hilft uns ungemein bei der Planung und Kostenberechnung.

Wie renoviert man günstig und hat’s trotzdem schön?

Ein Thema, das wohl die meisten Renovierer und Häuslebauer umtreibt, sind die zu erwartenden Kosten. Unser Ziel ist es, viel vom Alten zu erhalten und kostengünstig zu renovieren. Klar, man könnte so ein Haus entkernen und eine völlig neue, moderne Raumaufteilung mit großen Fensterfronten und allem was gerade Neubaustandard ist umsetzen.

Wir haben uns aber dagegen entschieden und wollen sparsam renovieren. Es müssen anderthalb Wände weichen und ein Türdurchgang wird versetzt. Ansonsten bleibt die Raumaufteilung wie sie ist. Dank der umsichtigen Planung meiner Oma beim Hausbau 1952 ist die Anordnung der Räume für uns nahezu perfekt.

Im ersten Obergeschoß planen wir beispielsweise gar keine Anpassungen. So wird dort unser Schlafzimmer einziehen, Michas Musik Zimmer, mein kleiner Ankleideraum und ein kleines Büro. Außerdem gibt es ein wirklich sehr kleines WC, das irgendwann nachträglich im Flur eingebaut wurde und von uns jetzt erneuert wird.

Das Haus hat einige Mieterwechsel erlebt, von denen manche deutlich sichtbare Spuren hinterlassen haben. Die alte Lärchenholz Treppe wurde zum Beispiel gestrichen, weiße Stufen mit blau / weißem Handlauf. Später wurde alles nochmal mit einem undefinierbaren Braunton überpinselt. Inkonsequenter Weise wurde aber irgendwann mittendrin aufgehört und somit ist die Treppe komplett verunstaltet.

Da blutet mir schon das Herz. Dann gibt es ein paar Fliesen Sünden und Türen, die ersetzt werden müssen, weil nicht mehr vorhanden oder häßlich. Das Bad muss komplett neu gemacht werden, barrierefrei soll es werden. Wir werden nicht jünger und wenn man schon alles neu macht, soll es gleich Bestand haben. Ebenso Wände, Zimmerdecken, zusätzliche Steckdosen, Lichtauslässe und Heizkörper. All das planen wir im Voraus.


Unsere größte Herausforderung wird sein, das Haus in genau den Zustand zu versetzen, den wir brauchen um uns darin wohlfühlen zu können ohne unsere finanziellen Möglichkeiten komplett auszuschöpfen. Wie jeder weiß, sind bei solchen Vorhaben nach oben hin keine Grenzen gesetzt und jeder Baumarkt Einkauf ist meist doppelt so teuer, wie man es vorher erwartet hatte. Uns ist es aber wichtiger finanziell eine gewisse Freiheit zu behalten, sprich, nicht unser ganzes Kapital in das Haus zu stecken sondern immer noch genug übrig zu haben um ruhig zu schlafen. Außerdem haben wir darüber hinaus Lebenspläne und auch die Kinder werden sicher froh über künftige Unterstützung sein.

Energetisch muss nichts neu gemacht werden, das ist schon mal prima und macht es einfacher. Meine Eltern haben sehr umsichtig das Haus mit einem neuen Dach, Vollwärmeschutz und guten Fenstern versehen. Auch die Zentralheizung ist noch nicht alt.

Das ist eine riesen Hilfe, denn klar ist, dass es trotzdem viel Arbeit wird, da wir fast alles in Eigenleistung umsetzen möchten und so selten wie möglich Firmen beauftragen wollen.

Spannend finde ich, das Haus nur an unsere Bedürfnissen anzupassen. Im Dachgeschoss wollen wir 1-2 Gästezimmer unterbringen aber dauerhaft bewohnt wird es eben nur von Micha und mir.

Hausumbau – Altes und Neues

Früher haben meine Großeltern 3 Zimmer vermietet. Dadurch hat das Haus im Eingangsbereich einen Anbau erhalten – den ehemaligen Frühstücksraum für Gäste. Dieser ist jetzt Gold wert und wird in Zukunft unsere Garderobe und den Hauswirtschaftsraum beherbergen.

Zum eigentlichen Hausflur ist er mit einer zum Glück noch erhaltenen alten Tür abgeschlossen, sodass der Frühstücksraum im Winter auch noch die Kälte von den Wohnräumen fern hält.

Meine Großmutter stammt von einem Bergbauernhof und ihr wurde das Holz für die Treppe, einzelne Möbel und das Bauholz aus dem Familienwald zur Hochzeit geschenkt. Heute empfinde ich es auch als Geschenk für mich, weshalb mir der Erhalt der Treppe unglaublich wichtig ist. Schließlich bin ich jede Stufe mit wachsender Begeisterung rauf und runter gehüpft und habe so zu den Dellen im Holz stolz meinen Beitrag geleistet. Für mich darf die Treppe ganz unperfekt bleiben, knarren und ächzen mit den liebevoll ausgetretenen Stufen aber wieder in der ursprünglichen Natürlichkeit.

Gerne hätte ich auch die alten Türen und manche Einrichtungsgegenstände behalten, doch leider sind sie im Laufe der Jahre dem Zeitgeist zum Opfer gefallen, sodass nur die Türen im OG und eine Tür im Erdgeschoss erhalten geblieben sind. Die schöne Haustür aus Holz gibt es auch nicht mehr. Zu gegebener Zeit werden wir uns auf die Suche nach einer alten passenden Tür machen, doch vorerst gibt es im Innenausbau genug zu tun.

Im nächsten Jahr ist die Fassade dran – der aktuelle, wirklich leuchtende Orangeton gefällt uns gar nicht und muss unbedingt weg. Micha und ich ticken da gleich, wir können uns nicht wohlfühlen, wenn nicht ein paar grundsätzliche Dinge – wie eben die Hausfarbe, also das erste, das man wahrnimmt wenn man sich dem Haus nähert, stimmen.
Gartenanlage und Dachbodenausbau werden im kommenden Jahr auch noch folgen…

Ich werde euch auf dem Laufenden halten und berichten. Was sonst noch in diesem aufregenden Jahr los war findet ihr in meinem Jahresrückblick 2021.

Wenn ihr ein ähnliches Projekt vorhabt, mittendrin seid oder schon abgeschlossen habt, erzählt mir gerne davon. Vielleicht habt ihr auch ein paar tolle Tipps für uns.

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