Ruhe – Freiheit – Natur

Heute möchte ich euch zu meinem liebsten Ort der Ruhe mitnehmen. Ich bin ja im schönen Kärnten aufgewachsen. Für alle, die nicht ganz so genau wissen wo Kärnten eigentlich liegt: Kärnten ist das südlichste Bundesland von Österreich und grenzt an Italien und Slovenien.

Anfang September verbrachten Micha und ich wieder eine Woche auf der Alm. Zuvor waren meine Söhne mit Freunden je 5 Tagen oben. Mich freut es sehr, dass die Jungs die Alm so lieben und sie glücklich sind, dass wir sie haben.

Abgesehen von einer kurzen Phase in meiner Jugend, bin ich immer gerne auf der Alm gewesen. So viele Erinnerungen sind mit ihr verbunden.
Schon, wenn ich aus dem Auto steige und die Bergluft tief einatme, bin ich glücklich. Die Luft riecht sooo gut, das fällt mir jedes Mal auf, sobald ich auf der Alm ankomme. Es kehrt schnell Ruhe in meinem Geist ein. Nichts will entdeckt werden, wie es der Fall ist, wenn man an einen neuen Ort kommt. Alles ist gespickt mit positiven Gefühlen und Assoziationen und so vielen Erinnerungen.
Nicht, dass ich nicht auch gerne neue Orte entdecke. Aber die Alm ist für mich ein Wohlfühlgarant. Ich liebe das Gefühl, wenn ich um die Kurve laufe und die Hütte vor mir sehe. So fühlt sich Heimat an, schätze ich.

Die Almhütte heute

Bin ich auf der Hütte sind alle Probleme und Sorgen weit weg. Dort oben fühle ich mich beschützt und geborgen, fernab von allem Negativen und Schnelllebigem. Das Gefühl, dass das Leben ruhiger und langsamer läuft, wird durch meine Rituale bestärkt.

Morgens erstmal in die Küche schleichen, zum großen Fenster und die Eichhörnchen beobachten, die im Vogelhaus die Körner knabbern, dann im alten Holzofen Feuer machen und den ersten Kaffee aufsetzen. Im Winter wollen noch weitere Öfen beheizt werden. Das Trinkwasser holen wir mit einem Eimer an einem nahen Brunnen. Ich liebe diese Abläufe und bin dabei am liebsten allein. Natürlich gibt es auch immer was zu tun. Allem voran, Holz hacken. Die Tätigkeiten rund um die Hütte sind einfach, mit körperlicher Arbeit verbunden und wiederkehrend. Vielleicht ist das auch das Geheimnis. Die Einfachheit. Hier ist nichts kompliziert, alles ist klar. Die Luft, die Natur und der eigene Geist.

Auf der Almhütte – Der Natur so nah

Auf der Alm fühle ich mich den Elementen deutlich mehr ausgeliefert. Nicht nur die Sonne ist unbarmherziger, sondern auch die Gewitter, jedes Donnergrollen fühlt sich unmittelbarer an, so als wäre man mitten drin und ganz nah am Geschehen. Das löst schon eine gewisse Demut aus. Besonders in den klaren wolkenlosen Nächten, wo es so dunkel ist, dass der Mond allein nicht ausreicht um genug Licht zu spenden, sich hinter der Hütte auf die Wiese zu legen und in den unbeschreiblichen Sternenhimmel zu blicken. That’s Magic!!

Ich kann die alte Sennerin gut verstehen, die mit ihren 85 Jahren in der Hütte weiter oben von Mai bis Anfang November ihre Zeit verbringt. Auch wenn es für sie immer beschwerlicher wird, liebt sie ihre Ruhe und Freiheit, unterbrochen nur von Lebensmittellieferungen und sporadischen Besuchen anderer Hüttengäste.

Die Hütte einer 85-jährigen Sennerin, die einige Monate im Jahr auf der Alm verbringt

Über die vielen Vorzüge und die Lebensqualität die das Land zu bieten hat werde ich in einem anderen Artikel berichten, denn heute soll es um unsere Alm gehen und dazu muss ich ein bisschen ausholen.

Wie wir zur Alm gekommen sind

Meine Mama stammt aus dem Kärntner Dorf in dem sie selbst, meine Schwester und ich aufgewachsen sind. Mein Papa ist Frankfurter und ein absoluter Bergfreak. Ihr könnt euch seine Entzückung vorstellen als er eine Kärntnerin heiraten konnte. Ich will hier ja nichts unterstellen, aber womöglich hat die Heimat meiner Mutter seine Verliebtheit noch ein wenig befeuert. Jedenfalls sind meine Eltern nach Kärnten gezogen, haben ein Haus gebaut, Kinder bekommen und eine Almhütte gekauft. Und das alles innerhalb von 4 Jahren. Stolzes Pensum würde ich sagen.

Jedenfalls wird seit 50 Jahren fleißig auf der Alm gewerkelt und die Hütte hat sich im Laufe der Jahre mehrfach radikal verändert und sich den jeweils aktuellen Ansprüchen angepasst. Aus der ursprünglichen Sennhütte mit einer Küche, kleiner Schlafkammer und darunter liegendem Stall ist ein Ferienhaus geworden, das 8 Personen Platz bietet und auch im Winter bewohnbar ist.
Meine Eltern haben die alten Türen, Balken, Bretter und sogar eine Außenwand geschickt im Hütteninneren wiederverwendet was ich besonders charmant finde und der Hütte einen ganz eigenen Charakter gibt.

Impressionen von der Alm 🙂

Bei uns gab es immer Ferien auf der Alm

Als Kinder haben wir eigentlich fast jedes Wochenende, Ferien und Urlaube auf der Alm verbracht.
Hier wurde meine Liebe zur Natur entfacht UND das Verständnis für den natürlichen Lebenszyklus geprägt. Ganz ohne Vorträge und Belehrungen sondern dadurch, dass die Dinge einfach so waren. Schule des Lebens sozusagen.
Wie viele 70er Jahre Kinder sind wir sehr frei aufgewachsen. Im Wald unter Bäumen haben wir Häuser gebaut, haben uns beim „Butterwolgen“ die Bergwiesen runtergerollt oder sind auf Holzbrettern den Hang bergab gerutscht. Fein war das, lustig und ich war gefühlt immer schmutzig.
Als Energiebündel und Windfang mit ausgeprägter Phantasie kein Wunder.

Morgens, manchmal noch bevor meine Eltern wach waren, schlich ich mich raus, rannte zur Hütte einer Sennerin um mit ihr die Kühe zu melken und aus dem Stall zu anderen Wiesen zu treiben, immer schön den Berg hinauf. Ich erinnere mich noch gut an das Frühstück, dass danach folgte mit anschließendem Stall ausmisten.
Schmutzig, stinkend, glücklich und mit roten Wangen kam ich rechtzeitig zum Familienfrühstück wieder zu unserer Hütte zurück, zog mir vor der Tür meine Stall Klamotten aus und erzählte aufgeregt von meinen morgendlichen Erlebnissen. Eine herrliche Zeit war das, frei, unbeschwert und ganz nah an der Natur.

Lang, lang ist’s her!
Das kleine Mädchen auf dem Schnee Dach in dem dunkelblauen Overall bin übrigens – ich 🙂

Traudl – meine Lieblingskuh

Wie es sich gehört, hatte ich natürlich auch eine Lieblingskuh. Eine schwarz/bunte Schönheit mit runden Hörnern und den treuesten Kuhaugen die man sich vorstellen kann. Traudl war ein Kälbchen als „meine“ Sennerin sie und ihre Freundin Silber mit auf die Alm brachte. Jedes Jahr kam sie wieder, später mit ihren eigenen Kälbern. Oft saß ich im Futtertrog im Stall, ihre Schnauze an meine Kinderschultern gedrückt, die nasse Nase an meinem Hals und habe sie mit der borstigen Bürste gekämmt. Ihre Augen hatte sie genussvoll nach oben verdreht und bestimmt hätte sie geschnurrt, wäre sie eine Katze gewesen.

Kuh Selfie 🙂
Almhütte in Kärnten, Urlaub in Österreich
Awww, das süße Kälbchen 🙂

Besonders spaßig fand ich auch, mich abends, wenn die Kühe wieder in den mit frischem Heu ausgestreuten Stall zurückgekehrt waren, unter Traudl zu legen, um mir selbst direkt in den Mund melken. Die Treffsicherheit lies zu wünschen übrig und nicht selten kam ich mit milchverklebten Haaren gespickt mit Heu wieder nach Hause zum Abendbrot Tisch.
Ich bin froh, dass meine Eltern mir diese Freiheiten ließen, auch wenn manches vielleicht ein bisschen gefährlich war. (Vermutlich habe ich ihnen nicht alles im Detail erzählt ;)) Aber, die Kühe waren meine Freundinnen.

Ich könnte noch endlos weiter schwärmen… Wenn ihr jetzt Lust auf Ferien auf der Alm bekommen habt, erfahrt ihr hier, was ihr unbedingt bei eurem Hüttenurlaub dabeihaben müsst!

Gibt es in eurem Leben auch einen Lieblingsort mit dem ihr euch so verbunden fühlt? Dann schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Write A Comment