– Oder: Keanu Reeves hat eine neue Freundin.

Na sowas. Neulich ist mir ein Foto samt kurzem Bericht über Keanu Reeves und seine neue Freundin in die Hände gefallen. Man stelle sich vor, Keanu Reeves, der Schwarm meiner Jugend datet eine Frau die genauso alt ist wie ich!!!

In einschlägigen Medien wird ihm verbal ein Orden verliehen, für den Umstand, dass seine Freundin „nur“ 9 Jahre jünger ist als er, also quasi gleich alt.

In Promikreisen durchaus eine Seltenheit wenn man den Berichten glauben schenken mag. Dabei finde ich 9 Jahre Altersunterschied jetzt auch nicht sooo wenig.

Und wie meistens wird in der gängigen medialen Berichterstattung nur Wert auf äußere Beschreibungen gelegt. Dass Keanu und Alexandra womöglich eine Beziehung verbindet, die über reine Äußerlichkeiten hinaus geht scheint niemanden zu interessieren.

Frauen über 40 in den Medien

Aber es ist wohl immer noch so, dass ein prominenter Mann mit einer Frau die annähernd als altersgerecht gilt, als „echter Mann“ gefeiert wird, während eine prominente Frau, die einen deutlich jüngeren Mann an ihrer Seite hat bemittleidet und ihr nachgesagt wird, sie hätte ein Problem mit dem Älter werden. An der Stelle erinnern wir uns an Demi Moore.

Manchmal habe ich das Gefühl in so einer Art Warteschleife des Frauseins zu stecken. Zu alt um auf dem Markt als „heiß“ zu gelten aber noch zu jung für die endzeit verheißenden Tipps zur Menopause und die Zeit danach.

Und wer sagt eigentlich, dass man sich während und nach der Menopause nicht genauso schön fühlen und genauso viel Spass haben kann. Auch und gerade weil man sich über Verhütung keine Gedanken mehr machen muss 🙂

Eigentlich ist es mir aber auch ziemlich egal wen Keanu Reeves an seiner Seite hat, so lange ich es nicht bin, hat es auf mein Leben ja keine Auswirkungen.

Wieder jung sein – nein danke!

Das die gute Frau ob ihrer grauen Haare und der Tatsache, dass sie sogar aussieht wie 46, verunglimpft wird ist mir allerdings nicht mehr so egal.

Dabei geht es mir wie vielen Frauen in meinem Bekanntenkreis. Keine von uns will wieder Mitte 20 sein und viele, mich eingeschlossen, fühlen sich heute schöner und zufriedener als je zuvor.

Mit dem Schwund des Unterhaut Fettgewebes, bedingt durch mein Alter, finde ich mein Gesicht viel interessanter und ausdrucksstärker. Irgendwie unverwechselbarer. Mich stört auch die Asymmetrie nicht mehr und auch nicht meine Nase, die ich als Jugendliche so furchtbar fand.

Ab einem gewissen Alter geht’s erst richtig los. Nach meinem vierzigsten Geburtstag konnte mich niemand an der Nase herumführen. 

LADY NANCY ASTOR

Heute fühle ich mich schöner

Im Gegenteil, heute schätze ich genau diese äußerlichen Eigenheiten. Das Besondere kommt bei vielen Menschen mit dem Alter und den gelebten Erfahrungen erst zutage. Bei Frauen wie Männern.

Das Problem ist ja, dass mit Jugendlichkeit Attribute wie Leistungsfähigkeit, Gesundheit, geistige Aufnahmefähigkeit und Attraktivität verbunden sind. In Anbetracht der Tatsache, dass die Lebenserwartung auf die 100 zugeht, hoffe ich auf ein gesellschaftliches Umdenken.

Wenn wir schon ab Ende 30 weniger wahrgenommen und uns vor allem weniger zugetraut wird, könnten die restlichen 60 Jahre unseres Lebens ganz schön lang werden.

Frauen ü40 sind medial unterrepräsentiert

In der Medienlandschaft sind Frauen über 40 schlecht vertreten. In vielen Film- und Fernsehformaten haben sie meist die Mütter Nebenrolle. Die Ausnahmen, die euch jetzt vielleicht einfallen, sind genau das – Ausnahmen.

Gestern haben wir uns den neuesten Charlies Angels Film angesehen. 3 Mädels Anfang 20… Spontan kommt einem da der Gedanke, dass Cameron Diaz, Lucy Liu und Drew Barrymore scheinbar in Hollywood als schon zu alt gelten um, coole, heiße, schlagfertige Männer verkloppende Vamps darzustellen. Das Problem haben Männer als Actionhelden wohl nicht. Da fallen mir spontan jede Menge Bespiele eine.

Laut der Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock aus dem Jahr 2017 wurde festgestellt, dass Frauen in Film und Fernsehen deutlich weniger präsent sind als Männer. Und das durch alle Formate.

Frauen über 40 in den Medien

Wenn Frau, dann jüngere Frau

„Weiters wurde eine Alterslücke festgestellt. Was so viel heißt wie, dass vor allem junge Frauen in Film und Fernsehen dargestellt werden. Bis zu einem Alter von Mitte 30 kämen Frauen und Männer etwa gleich oft vor, hieß es. Aber ab Mitte 30 kämen auf eine Frau zwei Männer. Ab 50 Jahren kämen auf eine Frau drei Männer.“*

In der Werbung sieht es nicht viel anders aus. Mittlerweile ist man zwar immerhin dazu übergegangen Kosmetikprodukte wie Anti-ageing Pflege und Haarfärbemittel zur Grauhaarabdeckung von älteren Testimonials bewerben zu lassen aber ansonsten werden Frauen immer noch gerne hauptsächlich im Beziehungskontext* dargestellt. Also von echtem Fortschritt keine Spur.

Die Medienlandschaft ist ja generell ein sehr oberflächlicher Ort. Nach den Maßstäben die dort gelten, ist es kein Wunder, dass Frauen ab einem gewissen Alter kaum Interesse geschenkt wird.

Hurra, ich bin eine MILF

Da ist man ja schon fast versucht sich ausgerechnet bei der milliardenschweren, frauenfeindlichen, langweiligen, erniedrigenden (hier könnte ich endlos weitermachen) Porno Industrie zu bedanken – immerhin gibt es zur – äh – Würdigung älterer Frauen gleich ein ganzes Genre: MILF.

Frauen ü40 in den Medien

Gehts auch ohne?

Eine Sache, die mir im Zusammenhang mit der Beschreibung von Frauen über 40 immer wieder auffällt und das scheint medienübergreifend Usus zu sein, sind die sich ähnelnden beschreibenden Zusätze.

Da liest man Monstrositäten wie: Für ihr Alter… Trotz ihrer 48 Jahre… Obwohl sie Kinder hat… Sie hat sich aber gut gehalten…. Gehts noch? Das ist sowieso das schlimmste „Kompliment“ überhaupt! Du hast dich aber gut gehalten, tsts, wie alter Käse, oder was???

Die Emanzipation steckt bei uns ja nicht mehr in den Kinderschuhen und mich ärgern diese Ergänzungen, weil sie absolut nichts mit der Persönlichkeit dieser Frauen zu tun haben sondern wieder den Blick nur auf Oberflächlichkeiten und vermeintliche Makel lenken.

Frauen in den Medien

Helen Mirren zum Beispiel. Sie ist eine schöne Frau, aus ganz offensichtlichen Gründen und sie ist schön, weil sie einen scharfsinnigen Verstand hat, ihr Lächeln einfach bezaubernd ist, sie schlagfertig ist und sie eine grandiose Ausstrahlung hat. Sie kommt ganz ohne derartige Zusätze aus!

Oder Jutta Allmendinger, von der ich gerade einen 5stündigen Podcast gehört habe und die so ungemein intelligent, geradeheraus und menschlich ist, dass ich sie gerne als Verwandte hätte – zum Angeben und zum Diskutieren. Bei ihr weiß ich nicht mal wie sie aussieht.

Ich selbst bin auch nicht besser

Mittlerweile analysiere ich mein eigenes Verhalten, wenn ich einen Film anschaue. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich Frauen, vor allem die, die in meinem Alter sind, sehr genau betrachte und schon fast seziere.
Ich vergleiche sie mit mir und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich sie gedanklich demontiere. Ich weiß, eine furchtbare Angewohnheit. Immerhin spreche ich es in den Momenten nicht laut aus und ich arbeite daran, meine eigenen Gedanken in Schach zu halten.

Jahrelange Prägung ist eben nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Zum Glück ist viel im Wandel, auch wenn es mir nicht schnell genug geht.

Also ihr lieben Medienmacher. Zeigt uns Frauen, egal welchen Alters, doch einfach so wie wir sind und würdigt unser Können. Es ist schön, wenn wir uns mit Frauen in den Medien identifizieren können. Außerdem bin ich davon überzeugt, die Medienlandschaft wäre viel interessanter und abwechslungsreicher.

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