Geplant war das so nie. Ich habe mir darüber auch nie Gedanken gemacht. Will ich mit meinem Partner zusammenarbeiten? Hmm, keine Ahnung.
Als Michael und ich beschlossen, einen Anhänger zu kaufen, um daraus auf Food Festivals Essen zu verkaufen, war es einfach so. Damit das Ganze cooler klingt, sagt man in der Streetfoodszene natürlich „Foodtrailer“ – nicht „Anhänger, aus dem heraus Essen verkauft wird“..

Wir sind in das Abenteuer „gemeinsam arbeiten und das in der Gastroszene“, so blauäugig reingestolpert, wie Heidi, die ungeachtet der Kuhfladen, laut lachend über eine Wiese hüpft.
Eine meiner tollsten Eigenschaften ist, dass ich für meine eigenen Ideen eine schon fast kindliche Begeisterung entwickeln kann. Ich blende alle Warnungen aus, presche vor und freue mich, wenn jemand mitmacht. In dem Fall, mein Mann. Und meine Eltern – weil großteils von ihnen finanziert. Meine Eltern die auf diese Weise schon unglaublich viel Geld in die Ideenfreude ihrer Tochter – mich – investiert haben. Ich bin mir sicher, dass sie sehr froh sind, nach dem 2. Kind mit dem Kinderkriegen aufgehört zu haben…

Ich schweife ab: Michael und ich haben uns kurz darauf in einem 4×2 m großen Anhänger wiedergefunden. Abzüglich des Raums, der für Geräte und Einbauten gebraucht wird ist unser Innenbereich auf 3,5 x 0,7 m geschrumpft. Auf diesen 2,45 qm verbrachten wir fortan fast jedes Wochenende. Das heißt Freitag bis Sonntag täglich ca. 16 Stunden zusammengepfercht auf engstem Raum.

In dem Job ist wenig planbar. Je nach Wetter, Besucheranzahl und Einstellung der Besucher zu Essen (!) wars mal gut, mal schlecht, mal super, mal eine Katastrophe.

Was geholfen hat, war unsere Arbeitsteilung. Unsere Bereiche im Anhänger und auch bei der Vor- und Nachbereitung der Events haben sich wenig überschnitten. Jeder hatte seine Themen, für die er zuständig war. Praktisch sah das so aus, dass Micha alles gemacht hat, wofür es Kraft und/oder Körpergröße brauchte und ich, geschuldet meines früheren Berufs im Büro, habe das Kaufmännische erledigt. Geputzt haben wir meist gemeinsam und natürlich auch die Arbeit im Trailer während der Festivals wurden zusammen gemeistert.

Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt, was für uns gut funktioniert und was wichtig ist:

1 / Vertrauen in die Partnerschaft

Je nachdem wie lange man schon in der Beziehung ist, hat man vielleicht festgestellt, dass der Mensch, den man für sich auserwählt hat, nicht ganz so super perfekt ist, wie man ihn sich zu Anfang schöngeliebt hat. Eine stabile Basis als Paar sollte man für das Abenteuer zusammenarbeiten auf jeden Fall haben. Dazu gehört auch ein großes Vertrauen und Zutrauen, dass der jeweils Andere seine Aufgaben im besten Sinne erledigt, auch – und das ist ganz wichtig, wenn man es selbst anders gemacht hätte.
Das ist ein Punkt, der mir, wenn ich genervt und gestresst bin, sehr schwer fällt…

Zusammen arbeiten als Paar

2 / Mit Arbeitsteilung klappt es besser

Wenn jeder seine Zuständigkeiten hat, kann man ohne groß diskutieren zu müssen, sein Ding machen. Es hilft, wenn man nicht jedes Detail abstimmen muss. Wichtig dabei, die Arbeit, die jeder erledigt als gleichwertig zu betrachten. Schließlich dient sie dem großen Ganzen.

3 / Man muss nicht alles ausdiskutieren

Es ist ungemein hilfreich, schafft man es, eine Situation auszuhalten, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht alles sofort ausdiskutieren zu wollen. Vor allem, wenn man sehr beengt zusammen arbeitet. Oft löst sich der Ärger nach einiger Zeit sowieso von selbst auf. Wenn das so ist, dann war das Thema ohnehin nicht so wichtig. Und wenn nicht, bespricht man heikle Themen lieber wenn die Emotionen wieder abgekühlt sind.

4 / Freiräume schaffen

Wir arbeiten und leben zusammen. Unsere Arbeit findet im Homeoffice statt. Ich erledige vieles am Esstisch und auf dem Sofa. Michael sitzt ein paar Meter entfernt an seinem Schreibtisch, spielt Gitarre und geht seinen Interessen nach. Obwohl wir noch ein extra Zimmer haben, in dem ich meine Büroarbeit erledigen könnte, halte ich mich trotzdem fast ausschließlich im Wohnzimmer auf. Zum Glück ist es ein echt großer Raum. Wir verfolgen privat eigene Interessen, treffen unabhängig von einander Freundinnen und Freunde. So haben wir uns auch, abgesehen von der Arbeit, immer etwas Neues zu erzählen. Natürlich treffen wir aber auch gemeinsame Freunde 🙂

5 / Zwischen Jobsorgen und Beziehung trennen

In den letzten Jahren hatten wir, als Neulinge im Streetfood Business, oft mit finanziellen Problemen zu tun. Aber eines was uns immer besonders wichtig war und ist, Geldsorgen, nicht die Erlaubnis zu geben, zwischen uns zu geraten. Wenn es sein muss, kann ich auf alles Materielle verzichten, außer auf die Menschen, die ich liebe.
Wir haben uns bewusst gegen Angestellte entschieden, das gab uns die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen und für uns die beste finanzielle Entscheidung zu treffen. Nämlich die Auflösung unserer GbR.

6 / Auch mal NICHT über den Job reden

Ganz klar und nicht verhandelbar. Gerade wenn man zu Hause arbeitet tut ein Ortswechsel, auch wenn es nur ein Tagesausflug ist, ungemein gut (besser wäre ein Wochenende, ach, was sag ich, eine oder zwei Wochen oder…) Je nachdem wie lange dieser dauert, sollten unbedingt Zeiten eingeplant werden, in denen nicht über die Arbeit gesprochen wird. Also gar nicht.
Ich weiß, wenn man gemeinsam im Homeoffice arbeitet, ist es besonders schwer sich an diese Regel zu halten. Schnell kommt einem abends beim Fernsehen auf dem Sofa doch wieder ein Gedanke, der eigentlich zur Arbeit gehört und schon hat man ihn ausgesprochen. Klar, man kann ihn auch aufschreiben und erst am nächsten Tag mitteilen aber ehrlich, ich glaube, diese Art der Konsequenz klappt selten.

7 / Die Vorteile der Zusammenarbeit erkennen

Arbeitet man als Paar über einige Jahre zusammen und ist immer noch beieinander, so hat man scheinbar einiges richtig gemacht und die Beziehung fußt auf einem stabilen Fundament. Gratulation! Überschneiden sich die Lebensziele bietet die Zusammenarbeit die großartige Möglichkeit, dass sich beide ihre Lebensträume erfüllen können. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich gegenseitig nicht erklären muss, was man den ganzen Tag so treibt und warum man auch mal schlechte Laune hat.

Man lernt auch die Fähigkeiten und Stärken seines Partners kennen und schätzen und das Verständnis füreinander wächst mit den Herausforderungen.

Zusammen arbeiten als Paar

8 / Bewusste Paarzeit schaffen

Wir kennen das alle. Sind Job und Alltag stressig und fühlen wir uns überfordert haben wir wenig Lust auf Nähe, geschweige denn auf Sex. Arbeitet man zusammen entwickelt sich im schlimmsten Fall ein dickes Problem für die Paarbeziehung.
Der Schlüssel ist, bewusst Paarzeit einzuplanen. Ich weiß, daß liest sich schön und ist doch so schwer umzusetzen.
Mag es einem gar nicht gelingen für die Planung eines besonderen Abends oder Tages Energie aufzubringen – und ja, das gibt es – reicht es manchmal auch schon aus, sich öfter in die Arme zu nehmen, einfach so. Liebevolle Gesten im Alltag nehmen Druck und helfen uns zu entspannen. Und wer weiß, vielleicht wird aus der Berührung auch etwas mehr.

9 / Krisen meistern, als Paar zusammenhalten

Krisen sind immer anstrengend. Wenn man zusammen arbeitet, kann daraus schnell ein emotionales Schwergewicht werden. Vor allem wenn dem Partner auch noch eine, zumindest Teilschuld, an der Situation gegeben wird.
Aus meiner Erfahrung heraus hilft es, die Situation als eine Phase zu sehen. Und Phasen gehen vorbei. Bloß keine Debatte in Gang setzen, die die Grundfesten der Beziehung in Frage stellt. So belastend die Situation auch sein mag. Man kann sich nur selbst wieder daraus befreien. Vom Partner zu erwarten, dass er „schon alles wieder richtet“ ist fatal. Wir bauen eine Erwartungshaltung auf, der der Andere gar nicht gerecht werden kann. Wut und Enttäuschung sind gerne die Folgen. In derartigen Situationen und davon hatten wir einige, hat uns – nach den ersten hochgekochten Emotionen geholfen, nüchtern an das Problem heran zu gehen. Analysieren wo es hakt und zusammen nach Lösungen zu suchen. Ohne Schuldzuweisungen und ohne Vorwürfe. Übersteht man die Krise stärkt das das Vertrauen in die Beziehung noch mehr. Und man weiß, dass man es schaffen kann. Für die nächste Krise, die sicher kommt, hat man Erfahrungswerte griffbereit.

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