Es ist jetzt 13 Jahre her, dass ich aus meinem ehemaligen Beruf ausgestiegen bin. Damals war ich einfach nur froh, etwas Zeit für mich zu haben und mich wieder neu zu orientieren.

Ich genoss die Zeit mit meinen Kindern und ließ als neues Familienmitglied unseren ersten Hund Percy bei uns einziehen.

In diesen 13 Jahren ist viel passiert. Im Zeitraffertempo: Heilpraktikerausbildung mit anschließender eigener Praxis, Scheidung, neue Partnerschaft, Aufgabe der Heilpraxis, Kauf eines Foodtrailers mit meinem 2. Mann, Patchwork, Hochzeit und jetzt Stilllegung und Verkauf des Foodtrailers.

Jetzt stehe ich wieder da, wie damals, als ich meinen Beruf aufgegeben habe, nur, dass ich jetzt wieder zurück gehe in den alten Job.

Eine ideale Welt…

In meiner idealen Welt wäre die Familienzeit gesellschaftlich gleichwertig zu anderen Jobs und würde entsprechend bezahlt werden. Finanzielle Einbußen und Karriereknicke müsste niemand befürchten, der Erziehungsarbeit übernimmt, egal ob Mann oder Frau.
In dieser idealen Welt würde gar nicht darüber diskutiert werden, was mehr wert ist, es würde wohlwollend gesehen werden und als Dienst an der Gesellschaft anerkannt. Niemand müsste ein schlechtes Gewissen haben, wenn er/sie arbeitet. Es wäre einfach selbstverständlich und würde gar nicht in Frage gestellt…

Doch diese Idealvorstellung ist weit von der Realität entfernt. Viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Ich fühle mich unsicher. Schon allein wegen der Anforderungen, die heute gestellt werden. Ich weiß nicht, ob ich sie erfüllen kann, ob ich es schaffe, den Erwartungen gerecht zu werden. Und auch, ob ich es will.

Hier ein paar grundlegende Fragen, die ich mir gerade stelle

  • Will ich wieder zurück in meinen alten Beruf?
  • Wenn ja, bin ich den heutigen Anforderungen gewachsen?
  • Ist die Versorgung der Kinder gewährleistet?
  • Werde ich von meinem Partner/meiner Partnerin zu 100% unterstützt?
  • Brauche ich eine Fortbildung?
  • Und wenn ja, bei welchem Bildungsträger kann ich die Fortbildung machen, wieviel kostet sie?
  • Gibt es Fördermöglichkeiten und finanzielle Unterstützung?
  • Vollzeit oder Teilzeit?
  • Mittelständisches Unternehmen oder Konzern?
  • Wie lange darf die Anfahrt dauern? Gerade wenn man eine langfristige Stelle sucht, ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Und ganz wichtig – über den Tellerrand zu schauen:

  • Gibt es vielleicht Alternativen?
  • Haben sich meine Interessen und Fähigkeiten verändert?
  • Habe ich eigentlich ganz andere berufliche Wünsche und Ziele? Schlägt mein Herz jetzt für andere Werte?
  • Wenn ja, wie kann ich sie umsetzen?
  • Bin ich gesundheitlich fit genug, wieder zurück in den Beruf gehen?
  • Was sind meine Beweggründe?
  • Treffe ich die Entscheidung für mich, weil ich möchte, muss oder kann?
  • Käme eine Selbständigkeit in Frage?


Die Rückkehr in den Beruf nach vielen Jahren der Abwesenheit ist eine große Herausforderung. Für den Wiedereinstieg selbst ist es ganz egal aus welchen Gründen die Pause entstanden ist, denn das Vorgehen ist erstmal das Gleiche..

Zuallererst sollte man sich informieren, inwieweit sich der „alte“ Job verändert hat. Was sind die neuen Anforderungen?
Eine gründliche Recherche gibt da Aufschluss. Eventuell hat man noch Kontakt zu „alten“ Kolleginnen, bei denen man sich Infos und Tipps holen kann.

Handelt es sich um ein breites Aufgabengebiet könnte man vorab überlegen, ob man sich nicht auf einen Teilbereich spezialisieren kann. Quasi um eine gewisse Expertise aufzubauen.

Wiedereinstieg – welche Stärken habe ich?

Trotz aller Unsicherheiten versuche ich mir auch bewusst zu machen, welche Stärken ich jetzt vielleicht habe, die ich früher so noch nicht hatte. Oft handelt es sich dabei um Skills, die gerade Frauen in der Familienphase vertiefen, wie Organisationstalent, die Fähigkeit den Überblick zu behalten, für andere mitzudenken und Gelassenheit. Dazu kommt Krisenmanagement, Lösungen für Probleme suchen, finden, umsetzen, hohe emotionale Intelligenz und vieles mehr.

Ich weiß, für viele Frauen mit kleineren Kindern ist die Rückkehr in den Job mit vielen weiteren Überlegungen verbunden. Bei mir ist das nicht mehr die große Herausforderung, mein Jüngster ist 17, ihn kann ich gut auch mal alleine lassen.

Wiedereinstieg in den alten Job

Obwohl es auch nicht so ist, dass man bei Teenagern voraussetzen kann und sollte, dass sie gut allein zurecht kommen. Beim Großteil ist das sicherlich der Fall, trotzdem ist das Thema sehr individuell. Gerade in der Pubertät haben einige Jugendliche Probleme. Sie brauchen dann besonders viel emotionale Zuwendung und Aufmerksamkeit durch Gespräche und ein stabiles Umfeld. Einige auch professionelle Hilfe gerade bei psychischen Problemen.

Jetzt ist die Familie gefragt

Ist die Entscheidung für einen Wiedereinstieg gefallen, geht es darum, der ganzen Familie klar zu machen, dass einschneidende Veränderungen auf alle zukommen werden.
So muss die häusliche Arbeitsteilung neu geregelt werden und allen Familienmitgliedern klar gemacht werden, dass in Zukunft JEDER mehr dazu beitragen muss, dass der Laden läuft. Außerdem müssen die Kinder im besten Fall selbständig lernen und Hausaufgaben erledigen. Das kann unter Umständen mit Widerständen verbunden sein und zu neuen Konflikten führen. Mit dem Nachwuchs – aber auch mit dem Partner/der Partnerin. Schließlich sollte die eigene Erwerbstätigkeit nicht on top zu allen häuslichen Verantwortlichkeiten dazu kommen. Das schafft auf Dauer keiner und ist auch höchst unfair. Jedes Familienmitglied muss seine Komfortzone jetzt ein Stück weit verlassen.


Und bitte kein schlechtes Gewissen. Siehe oben, meine Idealvorstellung!

Für alle am entspanntesten wäre es sicher, wenn man zumindest einen Teil der Hausarbeit in fremde Hände geben kann, was man sich aber wiederum leisten können muss. Also, für viele Haushalte nicht umsetzbar.
Deshalb lieber die eigenen Ansprüche was Ordnung und Sauberkeit angeht runterschrauben und der Familie die Chance geben, Dinge auf ihre Weise zu erledigen und froh sein, wenn sie überhaupt etwas tun… Es braucht sicher auch Zeit, bis sich alle an den veränderten Alltag gewöhnt haben.

Zurück in den Job – gegen Altersarmut

In Anbetracht alarmierender Zahlen, die Altersarmut von Frauen betreffend geht für mich kein Weg an einem Vollzeitjob vorbei. Da hat das verstaubte klassische Rollenmodell eindeutig ausgedient. Vor allem, wenn die Beziehung doch nicht hält.
Außerdem sind die interessanteren und besser bezahlten Jobs oft Vollzeitstellen. Wenn ich mich jetzt wieder für ein Angestelltenverhältnis entscheide, möchte ich eine Aufgabe, die Spass macht und Perspektiven bietet. Ich möchte mich einbringen, möchte im Unternehmen mitgestalten und eine gewisse Erfüllung erleben.

Das hängt auch viel von der eigenen Einstellung ab. Auch wenn es manchmal nur im kleinen Rahmen klappt, ein wenig Gestaltungsspielraum bieten die meisten Jobs. Und sei es zu Beginn nur sowas Banales wie die Umgestaltung des direkten Arbeitsplatzes. Mit Beharrlichkeit und langem Atem lässt sich irgendwann meist immer was bewegen.

Also dran bleiben und mutig sein!
Die Zeit bis zur Rente ist nämlich viel zu lang, um sie mit einem Job zu verbringen, der einem nichts bedeutet.

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