In einer Situation wie dieser ist plötzlich unser Alltag auf den Kopf gestellt. Wir werden aus unserer gewohnten Routine in der wir uns alles nach unseren Bedürfnissen eingerichtet haben herauskatapultiert und sehen uns neuen Herausforderungen ausgesetzt. Das ist erstmal ziemlich verunsichernd.Ich nutze die Krise als Chance, mich intensiv damit zu beschäftigen, was die aktuelle Situation in mir auslöst. Sozusagen die Möglichkeit zu nutzen mein ganz persönliches Krisenmanagement zu beleuchten.

Eine Krise ist für jeden eine Ausnahmesituation. Oft werden verschiedene Stadien durchlaufen. Von Schock zu Reaktion und Bearbeitung bis hin zur Neuorientierung.

Die staatlich verordnete Zwangspause nutzen

Ich bin gleich bei der Neuorientierung eingestiegen und fülle meine Tage mit Gedanken machen aus. Gedanken, die irgendwie alles im meinem Leben betreffen. Vom Job über die Kinder, meine Partnerschaft, die Gesundheit der Familie bis hin zu Zukunftssorgen und -vorstellungen.
Die staatlich verordnete Zwangspause des Alltags fühlt sich unwirklich an und zwingt mich über gemachte Entscheidungen und künftige Möglichkeiten nachzudenken. Ich fühle mich mittlerweile gedanklich „overwhelmed“. Meine ganz persönliche Strategie damit umzugehen scheint Arbeit zu sein.
Und damit meine ich nicht Kleiderschrank ausmisten, Fenster putzen oder abstauben, nein, dazu habe ich nämlich gar keine Zeit.

1/ Überfordere dich nicht

Mangels Job den ich im Homeoffice erledigen könnte, bilde ich mich fort, schreibe Bewerbungen für die Zeit danach. Ich kümmere mich um meinen Blog, Beiträge, Social Media Strategie, Fotos etc. alles was dazu gehört. Sozusagen, die Flucht nach vorne.
Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass mir die Zeit wegrennt. Denn wann werde ich je wieder so viel Zeit haben, so viele Dinge theoretisch am Stück erledigen zu können? Schön doof eigentlich, sich so unter Druck zu setzen.

Zum Glück geht es mir nicht immer so und mittlerweile ist es besser geworden. Dieser Anspruch an mich selbst, meine Zeit immer „sinnvoll“ nutzen zu müssen nervt mich. Wenn ich einfach nur auf dem Sofa eine Zeitschrift lese, habe ich ein schlechtes Gewissen. Lese ich ein Buch, sollte es mich voran bringen, nicht einfach nur Spass machen. Manchmal dauert es viel zu lang, bis mir bewusst wird, wie wenig hilfreich das eigentlich ist. Es entspricht mir auch gar nicht, da ich ja aus dem Hamsterrad heraus will, nicht mich weiter abstrampeln.

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2/ Lerne, dich mental zu beruhigen


Wenn mir mein Verhalten endlich richtig bewusst ist, kann ich das Rad anhalten und es abstellen. Das fällt mir leicht und geht ganz einfach, wenn mein Bedürfnis nach Ruhe, meinen Ehrgeiz besiegt hat.
Es sind wie Filmszenen in Zeitlupe. Ich halte innerlich die Zeit an, betrachte den Moment, spüre die Luft auf meiner Haut, höre die Geräusche von draußen, fühle meinen Atem und meinen ganzen Körper. So ein Moment der Ruhe stoppt das Gedankenkarrussel, alles wird ganz klar und leicht. Es ist wie Urlaub von mir selbst.

Es ist ein tolles Werkzeug um mich selbst zu beruhigen und hilft mir, mich auf das mir Wichtige zu besinnen, mich nicht vom Strudel der Ängste, Anforderungen und Überforderungen hinab ziehen zu lassen. Es ist wie eine Minutenmeditation einfach aus dem Moment heraus ohne dem Ganzen wirklich ein Prädikat überstülpen zu wollen.

Nur stecke ich manchmal so tief drin in meinem Alltag und merke lange nicht, wie sehr die Situation an mir nagt und mich belastet. Es gibt ja eine Vielzahl von Entspannungstechniken. Ich finde das manchmal einschüchternd. Wer noch keine schnelle (!) Entspannungsmöglichkeit für sich gefunden hat, liest vielleicht einfach ein wirklich nettes Buch, geht spazieren oder jätet Unkraut im Garten. Irgendetwas eben, mit dem man sich wohlfühlt und das einem guttut.

3/ Du musst dich nicht allem aussetzen

Obwohl wir diese Krise mit fast der ganzen Welt teilen, sind wir in unserem täglichen Umgang damit allein. Wir entscheiden für uns selbst, was wir von außen zulassen und wie sehr wir uns der Nachrichtenflut aussetzen. Ob wir uns selbst davor schützen, wenn wir merken, dass es zu viel wird, oder ob wir jeden Informationsschnipsel in uns aufsaugen.

Für mich ist es Selbstschutz und Selbstpflege, dass ich genau darauf verzichte. Solange ich mich an die vorgeschriebenen Maßnahmen halte habe ich nicht die Pflicht mir alle Nachrichten zu dem Thema anzutun.

Die Situation hat nur so viel Macht über mein Leben, wie ich ihr zugestehe.

Das gibt mir die Kontrolle zurück über den Großteil meines Alltags. Die äußeren Rahmenbedingungen kann ich nicht ändern und akzeptiere das, aber ich kann bestimmen, wie es mir damit geht.

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4/ Ruhig auch mal jammern

Dabei kann man ruhig auch mal über die Situation jammern, kann wütend sein über die Einschränkungen, das geschlossene Lieblingscafé, die Hamsterkäufer, den Stress im Homeoffice, die quengelnden Kinder, Existenzängste und allgemeine Überforderung. Auch, wenn es anderen irgendwo anders auf der Welt noch viel schlechter geht. Diese Vergleiche ändern nämlich sowieso nichts. Wir leben alle in unserer eigenen Realität und kämpfen mit unseren eigenen Sorgen und Nöten. Außerdem, was für den Einen unerträglich ist, empfindet der Andere als halb so wild. Das ist auch völlig ok, solange wir nicht nur um uns selbst kreisen.

Mir geht es auch manchmal so. Dann schimpfe ich mir alles von der Seele und fühle mich besser, dass es einfach raus ist.
Es ist die Chance mich selbst wieder ein Stück besser kennenzulernen. Die Stärke sich der Krise positiv zu stellen schafft Selbstbewusstsein und Zuversicht. Für künftige Krisen, die sicher in der ein oder anderen Form kommen werden habe ich im besten Fall etwas gelernt, worauf ich dann zurückgreifen kann. Auch nicht schlecht.

5/ Die eigene Lebenseinstellung überprüfen

Ich bin mir sicher, dass der Umgang mit Krisen auch mit der eigenen Grundeinstellung zu tun hat. Ich bin seit jeher ein positiver Mensch, das hilft. Richtige Sorge und Angst ist bei mir für Gesundheit, Bedrohung und Tod reserviert. Deshalb bin ich zum Glück selten damit konfrontiert. Die mütterlichen Sorgen um die Kinder mal davon ausgenommen. Zum Thema
mutig sein habe ich kürzlich einen Artikel auf dem Blog geschrieben.

Menschen mit der positiven Grundeinstellung wie meiner sind natürlich schneller mit einem „das wird schon wieder“ zur Hand als andere. Dabei geht es aber nicht um Verdrängung. Vielmehr ist es dieses Urvertrauen, dass sich alles irgendwie fügt und man sich dann eben der neuen Situation anpasst. Wenn wir unser Leben genau betrachten, es Scheibchen für Scheibchen auseinandernehmen und uns bei allem was uns umgibt fragen, wie wichtig es uns wirklich ist, merken wir schnell, dass nur die Menschen zählen, die wir lieben. Natürlich wissen wir das im Grunde alles. Im Alltag geht es nur zu leicht unter.

In einer Krise, wenn wir, so wie jetzt auf uns selbst zurückgeworfen sind, können wir in Ruhe die Möglichkeit nutzen, unser Leben zu betrachten und sind vielleicht dankbarer für alles was wir bisher erreicht haben und die Menschen, die an unserer Seite sind.

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